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Membran komplett, Gerüste abgebaut, Onlineticketverkauf angelaufen: Der Testturm hat die Baustellenphase seit dem Nikolaustag endgültig hinter sich gelassen.

„Was fällt Ihnen auf“, fragt Hardy Stimmer die dutzend Journalisten, die zum letzten Baustellenspaziergang am 6. Dezember 2017 zum thyssenkrupp-Testturm gekommen sind. „Die Membran ist fertig“, sagt der eine. „Der Bauzaun ist weg“, der andere. „Alles richtig“, sagt Hardy Stimmer, „aber was ich eigentlich hören wollte, ist dies: Keiner von Ihnen muss hier heute mehr einen Helm tragen.“ Aus Sicherheitsgründen war der Helm am Turm im Berner Feld drei Jahre Pflicht – weil in großer Höhe hantiert und geschraubt, schweres Gerät hin und her gefahren und Bauteile in die Luft gehievt wurden. Das alles ist Geschichte: Am Nikolaustag, als Hardy Stimmer vor dem Foyer die Presse begrüßt, fallen nebenan mit letztem Getöse die letzten Gerüsttangen. Der „Löwengang“, wie der kleine, schützend verkleidete Fußweg zum Besuchereingang hieß, verschwindet. Damit ist die Baustelle offiziell beendet.

Den Übergang von der Bauphase zum komplett fertigen Besucherbetrieb markiert auch noch eine andere Nachricht: Hier, auf dieser Testturmseite, können Interessierte ab sofort auch online Tickets für ihren Besuch auf Deutschlands höchster Aussichtsplattform buchen. Bis dahin waren Tickets nur vor Ort an der Tageskasse verfügbar, jetzt kann man auch für Wochenenden in der Zukunft schon im Voraus und ganz bequem Eintrittskarten erstehen.

Turmchef Michael Klein zieht nach dem fulminanten Start der Besucherplattform ein positives Resümee: „Seit dem 13. Oktober haben rund 25.000 Besucher die Aussichtsplattform besichtigt. Besucherrekorde gab es bei schönem Wetter und an Feiertagen: So haben allein am 1. November 2385 Gäste den Ausblick genossen.“ Ob die Öffnungszeiten, die Sie auch auf dieser Seite finden, in Zukunft erweitert werden, welche Veranstaltungen auf 232 Metern Höhe noch stattfinden können, ließ er bewusst offen: „Wir tasten uns an solche Fragen langsam heran.“ Denn für Besucherbetrieb auf dem Dach einer Forschungseinrichtung für Hochgeschwindigkeitsaufzüge gibt es keine Blaupause und kein Vorbild: Andere thyssenkrupp-Testtürme sind reine Testtürme – ohne öffentlichen Zutritt. Und: Ohne kunstvolle Membran. Das Rottweiler Modell ist einzigartig.

Natürlich wollten die Journalisten wissen, ob es Zoff am Bau gab, wer bei diesem Megaprojekt vielleicht mal die Nerven verloren hat und ob Projektleiter Hardy Stimmer sich ärgert, dass es bei der Membran ein paar Monate Verzögerungen gab. „Nein“, antwortet er ganz klar, „wer Ingenieur ist, der sieht auch ein, wenn es in anderen Gewerken große Herausforderungen zu bewältigen gibt.“ Die kunstvoll gedrehte Membran aus 17.000 Quadratmetern Stoff sei weltweit noch nie in dieser Form gebaut worden, betonte er, für die Anbringung sei erst noch einmal eine Montageplattform konzipiert, gebaut und vom TÜV geprüft werden müssen. „Das braucht Zeit“, so Stimmer, „und dafür

hat jeder Verständnis.“ Die starken Winde, in denen die Industriekletterer oben am Turm nicht arbeiten konnten, hätten ihr übriges für die Zeitverzögerung getan. „Sicherheit hat für thyssenkrupp höchste Priorität“, so Hardy Stimmer, „und ich bin froh, dass es auf dieser Baustelle nicht einen Unfall gegeben hat.“ Klaus Strohmeier vom Generalunternehmen Züblin stimmt dem thyssenkrupp-Projektleiter zu: „Wir hatten immer das Ergebnis im Blick – bei einem einzigartigen Bauwerk wie diesem lassen wir uns die Stimmung doch nicht ruinieren.“

Für Hardy Stimmer fallen an diesem Tag Stolz, Freude und Wehmut zusammen: „Rottweil ist mir ans Herz gewachsen“, sagt er. Er kennt den Turm wie kein anderer, hat ihn wachsen sehen, muss bald von „seinem“ Projekt Abschied nehmen. Wenn die Parkbuchten erst mal angelegt sind und die Flächen am Turm schön bepflanzt sind – „auch das wetterabhängig“ -, dann werden sich die meisten vermutlich nicht mehr an die heiße Bauphase erinnern. Bis dahin aber hat Hardy Stimmer noch ein paar Aufräumarbeiten zu erledigen. Und so sieht man ihn, lange nachdem die Journalisten gegangen sind und es dunkel geworden ist, noch im hell erleuchteten Baucontainer am Schreibtisch sitzen.

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