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„Für uns liegt Fasnet noch eine Stufe über Weihnachten“

„Turmgespräch“: Unser thyssenkrupp-Testturm grenzt direkt an eine Karnevalshochburg – oder Fasnet, wie die närrischen Tage in Rottweil heißen. Im Ort hat Fasnet eine große und einzigartige Tradition, die sich auf ganz wunderbare Weise mit den Innovationen im Testturm verbindet. Maskenbauer Mathias Aiple hegt und pflegt die Tradition der Region. Alicia Wüstner vom Testturmteam sprach mit ihm übers „Larvenschnitzen“.

Holzspäne fliegen durch die Luft und bedecken mit jedem Hammerschlag die Werkbank im Haus des 30-jährigen Architekten Mathias Aiple. Vor 17 Jahren fertigte der junge Rottweiler seine erste Larve an – so heißen in Rottweil die einzigartigen Karnevalsmasken der Narren. „2003 habe ich ein Praktikum beim Zimmermann Georg Albrecht absolviert. Ich konnte mich zwischen einem Lohn und Lehrstunden im Schnitzen entscheiden. Da ich bereits im Jahr 2000 einen Schnitzkurs in Rottweil absolviert habe und es mir Spaß bereitet hat, entschied ich mich natürlich für die Lehrstunden“, erklärt Mathias Aiple, während er auf seine fertig geschnitzten Larven an der Wand schaut. Seine erste Larve hängt mittlerweile in einer Arztpraxis in München.

„Bevor ich mit dem Schnitzen beginne, zeichne ich eine kurze Skizze“, so Aiple und holt seine Zeichnungen hervor. „Man arbeitet sich von grob nach fein durch und benutzt immer feiner werdendes Werkzeug. Erst zum Schluss wird die Larve durch Falten oder ausgeprägte Wangenknochen zum Leben erweckt. Das Bemalen mit einer Öl-Lasurtechnik spielt hierbei eine große Rolle“. Eine Larve wird nach dem Schnitzen mit drei bis fünf Schichten bemalt. „Idealerweise hält diese geschichtete Bemalung 200 Jahre“, verdeutlicht der Hobby Larven-Schnitzer. 40-45 Stunden benötigt der Perfektionist für eine Larve und fertigt davon fünf bis sieben Stück.

Alles - alles, hoch und nieder, freut sich auf die Fasnacht wieder, weil sich ein jedes so richtig vergessen kann, Vergessen all die Alltagssorgen bis zum Aschermittwochmorgen. ´s gibt noch ne Freude im Leide - Kopf hoch, schrumm

Dies sind Zeilen aus dem Rottweiler Narrenmarsch. Es spiegelt wider, welche Bedeutung die Fasnet für die Rottweiler hat. „Jedes Kind wächst hier in Rottweil mit der Fasnet auf. Vor allem, wenn die Eltern auch einen Bezug dazu haben. Rottweil ist an Fasnet im Ausnahmezustand – für uns ist das eine Identifikation mit der Tradition, Reichsstadtstolz und viel Herzblut steckt darin. Für uns liegt die Fasnet noch eine Stufe über Weihnachten“, erklärt Mathias Aiple mit einem Lächeln.

Das traditionsreiche Fasnet und der hypermoderne thyssenkrupp-Testturm passen für den Architekten vor Ort in Rottweil sehr gut zusammen: „Tradition war auch mal modern und auch die Moderne wird irgendwann Tradition. Nur durch Veränderung kann Tradition entstehen.“

Die Geschichte der Fasnet geht bereits bis in das 14. Jahrhundert zurück. Immer wieder wurde versucht, die Fasnet abzuschaffen. Die reichsstädtische Rottweiler Obrigkeit erreichte dies bis 1802 nicht. Die württembergischen Behörden schafften es allerdings, 1802 den Schmotzigen Donnerstag durch einen Markttag zu ersetzen. Mit der Neugründung der Narrenzunft im Jahr 1903 erholte sich allerdings die Rottweiler Fasnet und erstrahlte im alten Glanz.

Die Beliebtheit zeigt sich auch an der Zahl der Narren – während es 1754 nur 119 Narren gab, beteiligen sich heute mehr als 4200 Narren am Narrensprung. Als Fasnet wird die Fastnacht im südwestdeutschen Raum und Teilen der Nordost- und Zentralschweiz bezeichnet. Sie grenzt sich vom rheinischen Karneval ab. Während der Karneval bereits am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt, feiert man die Rottweiler Fasnet ab dem 6. Januar mit Beginn des Dreikönigstags. Die „Abstauber“ ziehen an diesem Tag durch die Stadt und reinigen mit Besen und Bürsten die Narrenkleider und Narrenglocken. Die Hauptfasnetstage beginnen allerdings erst einige Zeit später. Am Schmotzigen Donnerstag ziehen Gruppen abends durch die Rottweiler Wirtshäuser und präsentieren in humorvoller Form lokale Geschehnisse des vergangenen Jahres.

Am Fasnetssonntag übernimmt die Narrenzunft das Stadtregiment vom Oberbürgermeister. Es werden vor dem Rathaus „närrische“ Ziele für das nächste Jahr bekannt gegeben. Kurz darauf sind die „Ausscheller“ in den Gassen Rottweils unterwegs und machen auf die bevorstehenden Ereignisse aufmerksam.

Der bekannte historische Narrensprung am Schwarzen Tor findet am Montag- und Dienstagmorgen um Punkt 8 Uhr statt. Die Narren ziehen in einem über zweieinhalbstündigen Umzug durch die Rottweiler Stadt, bis er sich auf dem Friedrichsplatz in Rottweil auflöst.

Aber auch die Fasnet hat ein Ende – am Aschermittwoch lassen es sich die Narren nochmals in den Gasthäusern, heutzutage stehen oft Schnecken auf dem Speiseplan, gutgehen. Dies wird auch benötigt – zur Stärkung bis zur nächsten Fasnet.

Das ganze Testturm-Team feiert mit den Rottweiler Narren die wohl schönste Jahreszeit. Alle verkleideten Gäste erhalten am Fasnesdienstag den reduzierten Eintrittspreis von 5 Euro an der Tageskasse. 

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